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Design über Funktionalität?

Was ist wichtiger: Design oder Funktionalität? Damit befassen wir uns in diesem Artikel.

Wir leben in einer Zeit, in der Design vermeintlich immer wichtiger wird. Sneakers, Smartphones oder Kopfhörer sind durchdesigned bis ins letzte Detail. Demgegenüber steht jedoch der Wunsch nach Entschlackung und Minimalismus.

Seltsamerweise scheint sich dieser größtenteils auf unseren Wohnraum auszuwirken. Es macht uns nichts aus, in charakterlosen Zweizimmerwohnungen zu leben, solange wir als Personen nicht unsere Individualität verlieren.

Design findet, wie so vieles, online statt. Unsere Online-Profile sind durchgestylte Traumwelten, während unsere Wohnungen so uninteressant sind, wie die weißen Wände, die sie umgeben. Daher stellt sich die Frage:

Sollten (öffentliche) Gebäude funktionell oder schön sein?

Wer nicht das Glück hatte, in einem schönen Altbau zur Schule zu gehen, der kennt mit Sicherheit diese in den 50er bis 70er Jahren entstandenen Betonklötze; rein zweckmäßige Bauten, ohne jeglichen Designanspruch. Hier kommen einem auch die Plattenbauten in Großstädten in den den Sinn. Natürlich erfüllen sie ihren Zweck und sind in Anbetracht von Kosten-Nutzen-Rechnungen mit Sicherheit keine schlechte Wahl gewesen, allerdings geht an solchen Bauten immer auch die Chance verloren, das Zukunftsbild unserer Städte und Dörfer neu zu definieren.

Bauen wir ein Gebäude nach dem anderen, ohne auf das Gesamtbild zu achten, wirkt die Skyline von außen betrachtet irgendwann wie eine schlechte Fotocollage verschiedener Epochen. Das ist sehr schade, wenn man bedankt, dass gerade öffentliche Gebäude in früheren Zeiten maßgeblich das Stadtbild prägten und ihm Charakter gaben. Privatleute werden kaum das nötige Kleingeld übrig haben, ihre Häuser möglichst außergewöhnlich zu gestalten. Jedes Rathaus, jede Schule und jede Sportstätte sollten daher einen gewissen Anspruch mitbringen, ihre Stadt nach außen zu repräsentieren.

Im Prinzip könnte jeder Privatier mit ausreichend Geld eine Tennishalle bauen, sie jedoch nicht nur funktionell, sondern auch schön zu gestalten, ist aber etwas anderes. Natürlich werden wir uns in Zukunft fragen müssen, wie wir die hohe Nachfrage an Wohnraum bedienen können. Dabei wird die Wahl im Zweifelsfall immer auf die günstigste, praktikabelste und effizienteste Lösung fallen, wie der Trend hin zu charakterlosen Einheitsbauten in Weiß gerade zeigt.

Allerdings könnten öffentliche und private Institutionen mehr daran setzen, mit ihren Gebäude Statements zu setzen. Das kann nicht nur das Arbeitsklima verbessern, sondern auch Touristen anlocken. Wenn unsere Städte und Bauweisen in Zukunft zum immergleichen Einheitsbrei werden, wozu sollten wir dann noch unser eigenes Land verlassen, geschweige denn den Fotoapparat zücken oder uns erinnern?

Design ist immer auch eine Art der Kommunikation. Weiß, glatt und einheitlich sagt nicht viel über die Bewohner eines Hauses, einer Stadt oder eines Landes aus. Dabei bietet zum Beispiel die textile Architektur oder das ökologische Bauen tolle Möglichkeiten, Menschen, Wohnraum und Natur miteinander zu vereinen. Natürlich muss Wohnraum immer auch funktionell sein, aber kein Mensch möchte in einem weißen Raum existieren. Das Drumherum muss für Auge und Seele gleichermaßen Futter bieten.

Da bei der Schaffung von Wohnraum jedoch gerade die Knappheit immer eine maßgebliche Rolle spielen wird, kann es sein, dass Design in Zukunft nur noch sehr punktuell konzentriert Plätze im urbanen Raum findet. Umso kreativer und kunstvoller sollten diese Gebäude daher sein.

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