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Was hat es mit dem Shabby-Trend auf sich?

Wenn du in letzter Zeit mal Möbel shoppen warst, hast du mit Sicherheit irgendwo das Wort „Shabby“ oder „Vintage“ gelesen.

Zwei Worte, die im Endeffekt dasselbe Phänomen beschreiben: auf alt gemachte Möbel.

Denn wenn wir ehrlich sind, stellt sich doch keiner wirklich ein modriges Fundstück vom Flohmarkt ins Haus, das den Geruch des Vorbesitzers in jeder Pore stecken hat.

Das ist die Story, die sie einem verkaufen: das gehegte Lieblingsstück auf dem netten Flohmarkt im alternativen Viertel von Berlin, das mit aller Sorgfalt restauriert worden ist.

Die Wahrheit sieht aber eher so aus: das in Indien hergestellte Massenprodukt, das durch mechanische und teils auch chemische Einflüsse auf alt getrimmt worden ist, um den Wünschen der europäischen Kunden gerecht zu werden.

Als Deutscher sollte einem schnell einleuchten, was hinter der Bezeichnung steckt. Es ist genau das, was du denkst.

So passend ist der Name dann aber doch nicht, wenn man den Trend nochmal genauer unter die Lupe nimmt.

Shabby Chic ist eigentlich das geliebte Früher in Form eines Möbelstücks. Durch die Zeit abgewetzt, mit tausenden Erinnerungen behaftet, untrennbar an die eigene Person gebunden.

Die cleveren Marketing-Menschen wollten genau dieses Gefühl imitieren, indem sie nicht erst auf die zersetzende Wirkung der Zeit warteten, sondern es einfach selbst in die Hand nahmen. Denn menschliche Emotionen sind immer noch das beste Verkaufsargument. Und wer es schafft, diese zu kanalisieren und in ein Produkt zu packen, der kann dem Geld beim Wachsen zusehen.

Ob das nun bei den Möbeln klappt oder nicht, sei mal dahingestellt. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei dem Trend nur um eine Antwort des Marktes auf die Wünsche des Verbrauchers, der sich in unsicheren Zeiten nach dem sicheren Damals sehnt und dieses auch in Form von Möbeln dankend annimmt.

Werfen wir doch nur mal einen Blick auf Craft-Biere, handgemachte Schuhe, selbst angebaute Lebensmittel und so weiter und so fort. Vielleicht ist es, weil wir uns alle insgeheim in die Zeit unserer frühesten Kindestage zurücksehnen, als die Welt noch klein war und weniger böse und irgendwie auch verständlich.

Aber da wir uns ja nicht Kindermöbel in die Bude stellen können, gehen wir einen Schritt zurück, also rückwärts in der Zeit. Dorthin, wo wir glauben, dass die Welt dort besser war.

Es ist das ewige Zurückwünschen einer neuen Generation, die Flucht nach hinten aus Angst vor der Zukunft.

Und in die Zukunft, vor der wir uns heute fürchten, werden sich eines Tages unsere Kinder und Kindeskinder zurückwünschen.

Ob Sie es dann immer noch Shabby Chic nennen?