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Perfekter Winterabend

Ein perfekter Winterabend. Man, man, da muss ich jetzt stimmungsmäßig bis zurück vor Weihnachten versetzen. Denn nach der Weihnachtszeit heißt bei mir eigentlich schon wieder auf den Frühling zu warten. Da das hier aber zum Glück eine Vorstellung des perfekten Winterabends ist, spielt das keine Rolle. Den kann ich mir auch im Sommer bei 35 Grad am Strand vorstellen

Dem perfekten Winterabend geht auf jeden Fall ein sonniger Tag voraus, mit Temperaturen, die weder beißen, noch den Schnee schmelzen lassen (Dass Schnee liegen muss, ist ja wohl indiskutabel). Du warst den ganzen Tag draußen, hast ein bisschen gefroren, aber nicht so sehr, dass es unangenehm wäre. Die Sonne setzt sich am Horizont und wirft ihre letzten Strahlen an den Himmel, wo schon lange der Mond und Sterne zu sehen sind. Das Gemisch aus Orange, Gelb und Rot erinnert bisweilen an das Feuer im Kamin, auf das du dich beim Aufschließen der Haustüre schon freust. Die Tür geht auf, es riecht nach Plätzchen und Weihnachten. Das Klirren von Geschirr ist aus der Küche zu hören. Gerade als du die Haustür hinter dir schließen möchtest, bemerkst du, dass eine Schneeflocke ins Haus geweht wurde. Obwohl es den ganzen Tag nicht geschneit hatte, fallen jetzt dicke, schwere Schneeflocken vom Himmel. Du schaust dem Treiben noch ein wenig zu, bevor du ins Innere trittst und dir die kalten Hände reibst.

Jemand wartet in der Küche, freut sich, dass du endlich Zuhause bist. Ein kurzes Gespräch, ein Lächeln und schnell noch ein heißes Plätzchen vom Backblech stibitzt, bevor es ins Wohnzimmer geht. Dort brennen Kerzen und Lichterketten, nur der Ofen ist noch aus. Es ist kein Holz mehr im Korb, also nochmal schnell in die Garage, um welches zu holen. Trockene, kalte Luft strömt dir aus dem Ofen entgegen, es riecht nach Asche und frischem Holz. Du legst die Scheite zurecht. Erst die Anzünder, dann das kleine Splintholz und schließlich zwei große Klötze Birkenholz. Mit einem Streichholz entzündest du das Feuer und siehst zu, wie die Flammen schnell nach oben schlagen und die Rinde der Birke versengen. Für einen Moment hältst du die immer noch leicht frostigen Hände ans wärmende Feuer, bevor du die Tür schließt.

Am liebsten würdest du jetzt sitzenbleiben und verträumt ins Feuer starren, so wie früher am Lagerfeuer mit deinen Freunden. Aber der Duft aus der Küche ruft dich, nein, zieht dich fort, du fliegst ihm fast entgegen. Der Tisch ist gedeckt und es gibt alles, was du gerne magst. Vom Esszimmer aus schaut ihr hinunter ins Tal, das weiß und friedlich daliegt. Es schneit jetzt stärker als vorhin, aber man kann noch genug erkennen. Eine unglaublich friedliche Stille hat sich über alles gelegt und ist bis zu euch ins Haus gedrungen. Ihr nehmt euch in den Arm und schaut noch eine Weile zu. Beim Essen genießt ihr, dass ihr beieinander seid, Worte sind heute Abend nicht nötig.

Du hast alles, was du brauchst und noch ein bisschen mehr. Du hast großen Appetit und das Essen schmeckt köstlich. Du genießt jeden Bissen. Erst als die Teller leer sind, unterhaltet ihr euch über euren Tag. Ihr bleibt noch ein wenig sitzen und genießt die Atmosphäre. Schließlich räumt ihr gemeinsam den Tisch ab, zieht euch etwas Gemütliches an und löscht alle Unnötigen Lichter im Haus. Kurz überlegst du, den Fernseher anzuschalten, doch du zögerst, legst die Fernbedienung hin und gehst nochmal in die Küche.

Ihr trefft euch im Wohnzimmer, du zwei Gläser Wein in der Hand. Ihr versteht euch ohne Wort und kuschelt euch zu zweit in den großen Ohrensessel am Kamin, schaut dem Feuer zu, träumt euch davon. Es ist das schönste Gefühl und dann, nachdem ihr noch lange geträumt habt, schlaft ihr ein. Zu zweit, im Ohrensessel am Kamin. Draußen der Winter, der nichts mitbekommen hat vom perfekten Winterabend.

Mein Beitrag zur Blogparade von Ofen.de